Vom Fliegen mit Kambodschanern und dem Leben der Armen und (Super-)Reichen…
Der Wecker klingelt bereits um 5:15. Duschen, auschecken und noch ein schnelles Frühstück, bevor uns der Shuttle-Bus an den Flughafen bringt. Im Flugzeug haben wir Hoffnung, dass wir zu zweit drei Sitze haben,doch kurz vor Schließung der Türe kommt er noch, der Grund des nachfolgenden Exkurses: ein Kambodschaner jenseits der 70.
Die Show beginnt damit, dass er sein Köfferchen nicht in das Gepäckfach bekommt. Ich helfe ihm. Ein Fehler, denn ein „Danke.“ in irgendeiner Sprache höre ich genausowenig, wie ich eine dankende Geste erkennen kann. Gut, Koffer verstaut, aber was ist das grüne, eingepackte, weiche Ding auf seinem Platz? Und was das weiße? Wir sind uns nicht sicher, ob er herausgefunden hat, dass es sich hierbei um Decke und Kissen handelte. Anschnallen? Gurt hat er keinen – er sitzt ja drauf. Die Stewardess und ich sind behilflich, aber der Gurt ist ihm nicht ganz geheuer. Das alles spielt sich wortlos ab. Zumindest von seiner Seite. Nach einiger Zeit auf der Rollbahn geht es endlich los und in der Luft geht das Schauspiel weiter, als er erkennt, dass auf dem Monitor vor ihm etwas läuft; beziehungsweise auf meinem. Also soll auf seinem auch etwas laufen. Vergeblich versuche ich ihm die Tasten zu erklären und zu deuten, was er sehen weil. Dann soll er halt „Angry Birds – the Movie“ schauen. Ohne Ton. Was Kopfhörer sind, wusste er ja nicht. Er findet den Film wohl nicht so interessant und schläft irgendwann ein. Dass er dabei noch einen Teil meines Sitzes und der Armlehne beansprucht ist ihm egal oder er scheut den Körperkontakt und kuschelt gerne. Als das Essen kommt, kann er sich nicht ausdrücken und deutet der Stewardess auf mein Essen. Das Omelett schmeckt ihm wohl nicht. Er stochert nur kurz darin rum. Aber der Creamer schmeckt gut – auch ohne Kaffee. Als nette Geste, bei der ihm sogar kurz ein einziges Mal ein Lächeln über das Gesicht huscht, zeigt er auf seinen Saft. Oder will er nur, dass ich den für ihn öffne, weil er sich bei der Marmelade (die er pur gegessen hat) auch schon blöd angestellt hat? Nach kurzer nonverbaler Kommunikation verstehe ich ihn so, dass er mir den Saft überlassen will. Sehr nett. Nach dem Frühstück soll wieder ein Film laufen, aber nicht mehr „Angry Birds“, sondern der von der Frau vor ihm. Ich weiß nicht, welcher das ist, erkläre ihm nochmals die Tasten und sehe danach innerlich laut lachend zu, wie er wie ein Gorillababy – oder besser: Pandabär – auf die Tasten drückt. Komischerweise läuft der Film selbst dann nicht los, wenn man die gleiche Taste achtmal drückt. Und wenn man fünfmal hintereinander abwechselnd links und rechts drückt, ist man wieder da, wo man vorher war. Nach gut fünf Minuten läuft dann „Alice im Wunderland“. Herzlichen Glückwunsch, Bao-Bao! Kurz darauf schläft er wieder ein und kuschelt sich mit dem Rücken an mich. Spannend wird es erst wieder, als kurz vor der Landung ein Snack serviert wird. Er zeigt mal hierhin, mal dorthin und bekommt dann das Vegetarische auf’s Tablett gelegt. Mit dem Getränk läuft es ähnlich bis er auf meins zeigt und ebenfalls Cola bekommt. Ich esse meinen gerollten Chicken-Snack und stecke Serviette, Salz/Pfeffer und Zahnstocher in meine Vordersitztasche. Nachdem ihm sein vegetarischer Snack wohl nicht schmeckte, bedient er sich an seinem eisernen Vorrat vom Frühstück und leckt die Butter aus. An der kann es aber nicht liegen, dass er sich danach an meiner Vordersitztasche bedient und den Zahnstocher nach längerem Kampf aus den Ess-Utensilien fummelt. Das krönende Finale kommt nach der Landung, als er wortlos auf mich und direkt danach auf die Gepäckablage deutet. Höflich wie ich bin, stehe ich auf, gebe ihm seinen Koffer runter und erwarte natürlich keinen Dank. Meine Erwartungen werden voll erfüllt.
Die Einreise in Abu Dhabi verläuft ohne Probleme. Die Organisation des Busses ins Zentrum hingegen schon. Im Bus kann man nicht zahlen und welches Ticket man am einzigen Automaten (auf dem ganzen Flughafen!) ziehen muss, wird aus den Erläuterungen nicht klar. So fährt der erste Bus schon mal ohne uns. Als wir dann wissen, welches Ticket wir benötigen, müssen wir feststellen, dass der Automat keine Scheine nimmt. Erst im dritten Anlauf finde ich im Terminal jemanden, der mir 10 AED in Münzen wechseln kann/will. Einem nordirisch-spanischen Paar auf Hochzeitsreise ergeht es genauso. Endlich geht alles gut und wir fahren mit dem Bus um 13:10 in Richtung Moschee. Von der Haltestelle müssen wir blöderweise noch ca. 25 min bis zum Eingang der Moschee laufen und sind dank der 43° nassgeschwitzt als wir dort ankommen. Im Häuschen des Sicherheitschecks kühlen wir uns ab und unterhalten uns nach Geschlechtern getrennt mit dem Pärchen, das wir bereits von der Ticketaktion kennen. Bevor wir auf’s Gelände der Moschee dürfen, bekommt Cordula noch einen schwarzen Zauberermantel verpasst.
Die Moschee ist beeindruckend mit langen Säulengängen.
Die Anlage ist groß und überall glänzt polierter Marmor und strahlt Gold. Besonders toll ist es in der Gebetshalle mit riesigen Kronleuchtern und überaus angenehmer Temperatur.
In einem Café gleichen wir unseren Flüssigkeitshaushalt aus und treffen dabei wieder das Pärchen. Wir beschließen, uns ein Taxi zum Emirates Palace zu teilen.
Nach gut 25-minütiger Fahrt werden wir an der Pforte nicht eingelassen, da der Spanier einer kurze Hose anhat. Nachdem er sich umgezogen hat können wir das Areal betreten und staunen nicht schlecht über den Empfangsbereich und die Innenhalle des Hotels. Hier dominiert Gold. Und Geld. Und Luxus.
Nach einem Rundgang machen wir uns um 18:00 auf den 30-minütigen Weg zur Marina Mall und sehen dabei zu, wie die rote Sonne im Dunst versinkt. Wir sind in der Mall froh über die Abkühlung und suchen ein Restaurant. Nach einiger Zeit finden wir einen Perser, bei dem es uns gefällt und schmeckt.
Um 21:30 treffen wir uns wieder mit dem Pärchen und fahren mit dem Taxi in die Innenstadt, wo wir in den A1-Bus steigen. Die Fahrt führt noch einmal an der jetzt blau und gelbgold beleuchteten Sheikh Zayed-Moschee vorbei. Um 23:15 sind wir am Flughafen. Die Zeit bis zum Abflug um 2:30 überbrücken wir mit der Investition unserer letzten Dirhams in Getränke.





